Erfolgreicher Kommunikator

Bild: Jürgen Tautz erhält Communicator-Preis der DFG

Der Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz hat den Communicator-Preis 2012 der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten. Die Gemeinschaft zeichnet damit Tautz‘ zahlreiche Aktivitäten aus, mit denen er seine Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit trägt. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.


Das Buch „Phänomen Honigbiene“, das Hörbuch „Der Bien“, ein selbst produzierter Info-Film über Bienen „Die Honigmacherinnen“, Bienenstöcke im Seniorenstift, unzählige Vorträge und natürlich HOBOS, die interaktive Lernplattform im Internet: Es gibt wohl kaum einen Weg, kaum ein Medium, das der Würzburger Bienenforscher Professor Jürgen Tautz ungenutzt lässt, wenn es darum geht, die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Untersuchungen an Honigbienen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Der Communicator-Preis

Jetzt hat ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG dafür den „Communicator-Preis – den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes“ zuerkannt. Dieser Preis wird alljährlich an Wissenschaftler vergeben, die sich in hervorragender Weise um die Vermittlung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse in die Öffentlichkeit bemüht haben. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.

Über die Vergabe entscheidet eine Jury, die aus Kommunikationswissenschaftlern, Journalisten, PR-Fachleuten sowie ausgewählten Wissenschaftlern besteht. Insgesamt 20 Forscher aus allen Wissenschaftsgebieten hatten sich in diesem Jahr für den Communicator-Preis beworben oder waren dafür vorgeschlagen worden. Von ihnen kamen fünf Kandidaten in die engste Wahl, in der sich am Ende Jürgen Tautz durchsetzte.

Tautz, Verhaltensbiologe und Leiter der Bienenforschungsgruppe „BEEgroup“ am Biozentrum der Universität Würzburg, werde „für die langjährige, vielfältige und originelle Vermittlung seiner Forschungsarbeiten und der Bienenforschung in die Medien und die Öffentlichkeit ausgezeichnet“, heißt es in einer Pressemitteilung der DFG.

Der neue Communicator-Preisträger erreiche seit Jahren „über außerordentlich zahlreiche Vorträge, Artikel in Zeitungen und Zeitschriften und Buchpublikationen sowie über ein eigenes Bienen-Hörbuch und Führungen durch die von ihm geleitete Bienenstation unterschiedlichste Zielgruppen“, heißt es in der Laudatio.

Sein Sachbuch „Phänomen Honigbiene“ wurde in 17 Sprachen übersetzt. Als besonders originell hob die Jury die 2009 von Tautz entwickelte internetbasierte Lehr- und Lernplattform „HOneyBee Online Studies“ (HOBOS) hervor. Mit Livestreams und Messwerten aus dem Bienenstock und seiner Umgebung oder interaktiven Lehrmaterialien für alle Schulformen vermittelt HOBOS inzwischen weltweit fachübergreifende Forschungserkenntnisse zum Bienenvolk und regt zudem zum Nachforschen an.

„Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich für den Communicator-Preis 2012 vorgeschlagen wurde und von der Kommission an die erste Stelle gesetzt worden bin. Diese Auszeichnung nehme ich auch als Auftrag, die innovative Lehr-, Lern- und Forschungsplattform HOBOS gemeinsam mit der Universität Würzburg weiter voranzubringen“, lautete Tautz‘ erste Reaktion nach der heutigen Bekanntgabe der Entscheidung.

HOBOS: Bienenforschung im Internet

Hinter HOBOS verbirgt sich eine High-Tech-Pforte in die Welt der Honigbiene, die Schülern weltweit einen Zugang zum Leben der Biene verschafft, wie ihn ansonsten nur gut ausgestattete Forschungsinstitute haben.

Über Webcams und verschiedenste andere Sensoren, die im Stock und dessen Umgebung installiert sind, können die Jugendlichen dann weltweit vom Schulcomputer aus via Internet das Bienenvolk in einer Genauigkeit und Tiefe studieren, wie es durch eine direkte Beobachtung nicht möglich wäre. Zum Beispiel können bereits Vorschulkinder im einfachsten Ansatz verfolgen, wann die Sonne aufgeht und wann dann die ersten Bienen ausfliegen.

Oder die Schüler vollziehen die Gewichtsbewegungen im Bienenstock nach: Wie entwickelt sich täglich das Gewicht des Stockes, nachdem die Bienen morgens rausgegangen sind und wie viel wiegt er, wenn sie abends, mit viel Nektar im Kropf und Pollen an den Beinchen, zurückkehren?

Die Nachwuchsforscher können sich aber auch Messdaten von verschiedensten Sensoren im Bienenstock zeigen lassen, um dann beispielsweise in Erfahrung zu bringen, welche Bienen ab 15 Grad Außentemperatur ausgeflogen sind und ob diese sich immer so verhalten. Darüber hinaus lernen sie auch, wie mit Messdaten umzugehen ist und wie wissenschaftliche Fragestellungen entwickelt werden.

Global ist HOBOS in der Tat: Elf Schulen aus neun Ländern machten bei der Pilotphase des Projektes mit, das im Sommer 2009 mit der Fassung 1.0 startete. Mittlerweile ist die deutlich verbesserte Version HOBOS 2.0 verfügbar. HOBOS eignet sich für Grundschüler ebenso wie für Gymnasiasten, Studenten oder auch Imker, weil sich einfache bis sehr komplexe Fragen damit angehen lassen.

Ab dem kommenden Sommersemester können erstmals auch Lehramtsstudierende der Uni Würzburg die Möglichkeiten von HOBOS nutzen. In fünf Seminaren können sie dort Methoden einer modernen Unterrichtsgestaltung kennen lernen. Derzeit wird ebenfalls eine Rubrik für lernbehinderte Schüler eingerichtet. HOBOS ist interdisziplinär einsetzbar und bietet derzeit Unterrichtsmaterial für Biologie, Mathematik, Englisch und Kunst. Der Einbau von Physik und Chemie ist in Vorbereitung.

Zur Person

Professor Jürgen Tautz (Jahrgang 1949) hat von 1968 bis 1973 an der Technischen Universität Darmstadt Biologie, Geographie und Physik studiert. Nach seiner Promotion in der Zoologie an der Universität Konstanz forschte er zunächst als Postdoktorand an der Universität Canberra in Australien sowie in Stanford, USA. Ab 1983 war er als Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Konstanz tätigt, wo er sich auch habilitierte und ab 1988 den Lehrstuhl für Verhaltensbiologie vertretungsweise innehatte. Seit 1990 forscht und lehrt Jürgen Tautz am Biozentrum der Universität Würzburg.

Kontakt

Prof. Dr. Jürgen Tautz, T: (0931) 31-84319, E-Mail: tautzdo not copy and be happy@biozentrum.uni-wuerzburgdot or no dot.de

Link

http://www.hobos.de/www.hobos.de