Was machen die Bienen im Herbst?

Bild: Eine Sommerbiene sammelt Pollen auf einer Herbst-Anemone. (Foto: Kristina Vonend)
Eine Sommerbiene sammelt Pollen auf einer Herbst-Anemone. (Foto: Kristina Vonend)

Die Tage werden kürzer, die Intensität der Sonnenstrahlung lässt nach, die Temperaturen gehen zurück. Das spüren auch die Honigbienen und bereiten sich auf die kalte Jahreszeit und die Winterruhe vor.


In der Natur verfärben sich die Blätter. Es gibt weniger Blüten zu befliegen als noch im Frühling und im Sommer. Spätblüher, die für Honigbienen eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellen, sind z.B. Fetthennen, Herbst-Anemonen und -Astern und alle Blumen, die das Wort „Sonne“ im Namen tragen: Sonnenblume, Sonnenhut und Sonnenbraut. Von den übrigen Sommerbienen wird das Spättrachtangebot an Nektar und Pollen sowie das Sammeln von Kittharz noch voll wahrgenommen. Zugluft erzeugende Ritzen werden im Bienenstock mit Kittharz dicht verschlossen. Wintervorräte werden angelegt und die Waben reich gefüllt - die beste Grundlage für das Volk, einen harten Winter zu überstehen.

Winterbienen bringen das Volk durch den Winter

Im Herbst baut das Bienenvolk ab. Längst haben die Arbeitsbienen die Drohnen als unnötige Fresser aus dem Stock geworfen. Von August bis Oktober kommen die Winterbienen mit einer höheren Lebenserwartung auf die Welt. Mit sechs bis sieben Monaten werden sie viel älter als die Sommerbienen, die nur sechs Wochen alt werden können. Es gibt nur eine Generation Winterbienen, aber mehrere Generationen von Sommerbienen. Die Winterbienen leben von den Vorräten, die die Sommerbienen angelegt haben. Sie ernähren sich von dem Honig und den Pollen in den Wabenzellen, sind aber kaum selbst mit Sammeln von Nektar und Pollen beschäftigt und legen keine eigenen Vorräte an. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, das ganze Volk durch den Winter zu bringen. Die Bruttätigkeit der Bienenkönigin und die Pflege- und Fütterungsaufgaben der Arbeitsbienen gehen konstant zurück bis sie beim ersten Frost im Oktober schließlich ganz zum Erliegen kommen. Während der Winterruhe legt das Bienenvolk eine Brutpause ein, die Königin legt keine Eier mehr ab. Die Gesamtanzahl des Volkes schrumpft von 50.000 auf 15.000 Bienen, damit nicht zu viele Bienen durchgefüttert werden müssen.

Winterruhe und doch ständig in Bewegung

Die alten, verbrauchten Arbeiterinnen sind für den Winter und das Folgejahr nun wertlos geworden. Die jungen Bienen ziehen sich mit zunehmender Kälte immer mehr ins Innere des Bienenstocks zurück, wo sie langsam beginnen zwischen Flugloch und Futtervorräten die Wintertraube um die Königin zu bilden. Denn mit der Kälte werden sie selbst fertig. Die Bienen drängen sich im Stock in einer dichten Traube zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Dabei sitzen sie kugelförmig eng aneinandergerückt und erzeugen durch Nahrungsaufnahme und Bewegung Wärme. Der Verlauf der Temperatur in einer Wintertraube erreicht immer wieder Spitzenwerte von bis zu 30 Grad Celsius und sinkt danach wieder bis unterhalb 20 Grad Celsius ab, um ein paar Tage später erneut anzusteigen. Durch diese Heizspitzen, anstelle eines gleichmäßigen Durchheizens, sparen die Bienen erheblich an Treibstoff. Die etwa bis Februar dauernde Winterruhe ist dementsprechend kein Winterschlaf. Vielmehr sind die Bienen langsam, aber ständig in Bewegung. Die Winterbienen bleiben durch weniger Arbeit physiologisch jung, so dass sie im Frühjahr noch in der Lage sind, Tätigkeiten wie Bienen aller Altersklassen zu verrichten. Dann rücken schon wieder die Sommerbienen nach und das Bienenvolk erneuert sich somit regelmäßig selbst.

Kristina Vonend