Spionieren Bienen?

Sammelbiene an Weidenkätzchen (Foto: M. Pahl, HOBOS-Team)

Dass Hunde mit ihrem guten Geruchssinn Sprengstoffe finden können, ist bekannt. Auch Brieftauben und Delfine wurden im Krieg mit Mini-Kameras versehen, um den Feind auszukundschaften. Ebenso können Honigbienen sehr gut Gerüche wahrnehmen und sind sehr gelehrig. Doch können Bienen spionieren?


„Minen-Bienen“

Die Theorie ist folgende: Honigbienen könnten z.B. zur Minensuche eingesetzt werden, wenn sie sich auf nicht-natürliche Gerüche, z.B. TNT, trainieren lassen würden. Für diesen Zweck sollen sich sog. Spurbienen besonders eignen, die natürlicherweise neue lohnende Quellen für die Rohstoffe suchen, z.B. Nektar, Pollen und Wasser, die das Volk gerade für seine Entwicklung und für sein Überleben braucht. Nach erfolgreicher Suche teilen die Spurbienen den Sammlerinnen ihre Ergebnisse mit dem Schwänzeltanz mit. Diese Reaktion will sich der Mensch bei trainierten Bienen zunutze machen. Sie sollen zeigen, ob, in welcher Menge und wo der gesuchte Stoff vorhanden ist. Das Training soll über Belohnungen laufen: Die Bienen werden zeitgleich mit Zuckerlösungen und dem Geruch von TNT in Kontakt gebracht. Bereits nach kurzer Zeit sollen sie so reagieren, als ob sie Futter gefunden hätten, wenn sie nur den Geruch von TNT wahrnehmen.

Tautz: Natürliche Blütendüfte lenken ab

Der namhafte Bienenexperte Professor Dr. Jürgen Tautz, der sich seit etwa 25 Jahren intensiv mit Bienen beschäftigt, nimmt Stellung zu dem vermeintlichen Nutzen von Spurbienen, den Spezialkräften im Außendienst. Er ist überzeugt, dass Honigbienen, die zur gezielten Suche ausgesandt wurden, in freier Wildbahn oder in einer Stadt einer Vielzahl an Alternativgerüchen ausgesetzt sind, die oftmals eine weit größere Verlockung darstellen als der gesuchte Sprengstoff. Insbesondere natürliche Blütendüfte seien auch für speziell trainierte Bienen unwiderstehlich. „Natürlichen Düften folgen die rekrutierten Bienen im Feld unabhängig von der Vorinformation, die sie im Tanz bekommen haben. Der Duft wirkt stärker als der Tanz“, so Bienenexperte Tautz. Außerdem ist der genannte Schwänzeltanz laut Professor Tautz nur bedingt zur genauen Lokalisation nutzbar. „Der Schwänzeltanz ist generell nur ein erster grober Informationsschritt über die Lage eines Zieles. Um das Ziel zu finden, müssen erfahrene Bienen den Rekruten im Feld helfen. Ein Auffinden eines unbekannten Zieles nur aufgrund der Tanzinformation ist also ein Ding der Unmöglichkeit, da die zielführende Hilfe durch Bienen, die das Ziel bereits kennen sollten, im Feld fehlt.“

Kristina Vonend

Mehr Infos: https://www.deutsches-spionagemuseum.de/