Neues Buch "Die Honigfabrik" - Interview mit Jürgen Tautz

Wie funktioniert das Leben im Bienenkasten? Jürgen Tautz und Diedrich Steen haben ein Buch geschrieben, das davon erzählt.


Jürgen Tautz, Sie sind emeritierter Professor am Biozentrum der Universität Würzburg und international als Bienenexperte anerkannt. Seit 2006 leiten Sie das interdisziplinäre Projekt HOneyBee Online Studies (kurz: HOBOS). Sie sind neben Diedrich Steen Mitautor des neuen Buches "Die Honigfabrik". Derzeit gibt es etliche Bienenbücher auf dem Markt. Was sind die Alleinstellungsmerkmale des neuen Bienenbuches?

Tautz: Erstmals überhaupt haben sich ein Imker und ein Bienenforscher zusammengetan, um gemeinsam ein Buch zu schreiben. Daraus ergibt es sich, dass es weder ein Imkeratgeber noch eine wissenschaftliche Abhandlung ist, sondern die gesamte Breite dessen abdeckt, wie sich Menschen den Bienen nähern können, kondensiert auf zentrale Aspekte. Jeder der 13 Beiträge aus der Forschung enthält wesentliche überraschende Erkenntnisse, die hier erstmals überhaupt öffentlich vorgestellt werden, zum Beispiel die Faulheit der Bienen, die Tradition im Bienenvolk und faule Eier im Bienenstock. Die Darstellung der Tanzsprache der Bienen in den Schul- und Lehrbücher sollte richtig gestellt und erweitert werden. In "Die Honigfabrik" wird die Grundlage dafür erstmals in diesem Umfang vorgestellt. In dem Buch geht es um das Miteinander von Mensch und Natur in gegenseitiger Abhängigkeit, festgemacht am Beispiel der Honigbiene. Zur Bewusstmachung wesentlicher Gedanken ist die Biene der ideale Botschafter und man müsste sie für diesen Zweck erfinden, wenn es sie nicht schon gäbe. Sogar noch weitergehend soll das Buch zum Nachdenken über ein erfolgreiches Zusammenleben in Gemeinschaften anregen.

An wen richtet sich das Buch?

Tautz: Es fällt mir niemand ein, der keinen Gewinn aus der Lektüre des Buches ziehen könnte.

Wieso sollte man sich als Leser mit den Bienen beschäftigen?

Tautz: Bienen sind Schlüsselorganismen in einem hochkomplexen Netzwerk, dessen Teil auch wir Menschen sind. Selbst wenn man sich auf einen anderen Aspekt der Welt des Lebendigen beschränkt (wie z.B. den Wald) begegnet man unausweichlich den Bienen, wenn das Bild komplett sein soll. 

Was sollte jeder als Minimalkenntnisse über die Honigbienen wissen?

Tautz: Bienen sind für die Pflanzenwelt und alle die davon abhängen (so auch wir Menschen) unersetzlich. Dieses Netzwerk steht nicht unerschütterlich (siehe den Roman von Maja Lunde), sondern bedarf Achtsamkeit. Der Mensch ist nicht Beobachter, sondern Aktiver und Betroffener.

Was könnte sich der Mensch von den Staaten der Bienen abschauen?

Tautz: Nachhaltigkeit ist garantiert, wenn ohne Gier aus den Quellen geschöpft wird, die die Lebensgrundlage bieten, ja sogar diese Quellen immer wieder erneuert werden. Bienen und Blüten sind unauflöslich verbunden. So wie wir Menschen mit der Natur, die uns umgibt, nur verhalten wir uns nicht danach. 

Interview von Kristina Vonend

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