Hero stärkt ägyptische Biene

Bild: Schöne Naturbauwabe, gut besetzt mit Bienen von Apis Mellifera Lamarckii. (Foto: Günther Friedmann)
Aktueller Zustand: Schöne Naturbauwabe, gut besetzt mit Bienen von Apis Mellifera Lamarckii. (Foto: Günther Friedmann)

Hero setzt sich seit 2016 für die ägyptische Honigbiene ein, denn sie ist vom Aussterben bedroht. Ihr Zustand hat sich seitdem verbessert.


Der Lebensmittelhersteller Hero aus der Schweiz mit Sitz in Lenzburg bei Zürich macht sich für Bienen stark. Denn ohne die Bestäubung durch die Bienen gäbe es keine Früchte und somit auch keine süßen Marmeladen. Seit einiger Zeit richtet sich das Augenmerk der Hero, deren Tochterfirma Hero MEA in Ägypten sitzt, auf eine ganz besondere Biene: die ägyptische Honigbiene Apis mellifera lamarckii. Die Biene ist so klein wie eine Stubenfliege und sie ist akut vom Aussterben bedroht. Vor mehr als 30 Jahren waren starke Völker dieser Bienenrasse in Ägypten noch üblich. Seitdem hat sich aber die Kulturlandschaft stark in Richtung Intensivierung, einschließlich des massiven Einsatzes von Herbiziden und Insektiziden und des Verschwindens wichtiger Trachtpflanzen, z.B. Alexandrinerklee, verändert. Seit Jahrzehnten werden Königinnen und Völker aus Europa importiert, z.B. Apis mellifera carnica. Diese haben mittlerweile die einheimischen Bienen völlig verdrängt. Doch leider kümmern sich die ägyptischen Imker nicht um ihre heimische Honigbiene, ein Kulturgut aus dem Nildelta, denn die Völker sind recht klein und erbringen nur geringe Honigerträge. So gibt es insgesamt nur noch ca. 1.200 Lamarckii-Bienenvölker. Der Firma Hero MEA, Marktführer für Konfitüren in Ägypten, geht es um die Gesunderhaltung der Lamarckii-Biene. Ein Verschwinden der Apis mellifera lamarckii wäre ein weiterer erheblicher Verlust an Biodiversität und, da diese Honigbiene weltweit nur im Niltal vorkommt, auch ein kultureller Verlust. Außerdem zeichnet sich die Lamarckii-Biene durch Varroatoleranz aus, die weltweit nur bei vier Bienenrassen vorkommt. Deshalb hat sich Hero MEA mit dem Demeter-Imker Günter Friedmann und dem ägyptischen Imker Islam Siam zusammengetan. Seit fast zwei Jahren setzen sie sich gemeinsam für die ägyptische Honigbiene ein, um ihren Erhalt dauerhaft zu sichern.

Ägyptischer Imker besucht Deutschland

In Ägypten betreut der Imker Islam Siam in enger Abstimmung mit den Kollegen von Hero MEA die sich im Besitz von Hero MEA befindlichen noch existierenden Lamarckii-Völker. In diesem Sommer war Islam Siam das erste Mal zu Besuch in Deutschland. Islam Siam hat bei Günter Friedmann vier Wochen in der Demeter-Imkerei mitgearbeitet. „Unsere starken und gesunden Bienenvölker und der Waldhonig haben ihm imponiert“, so Friedmann. Islam Siam konnte die deutsche Imkerei besser kennenlernen. Gewitter mit Blitz und Donner kannte er gar nicht. Er war insbesondere von der grünen Landschaft und den Wäldern begeistert. „Germany is so clean“, sagte Islam Siam. Außerdem hat er den für das Nachhaltigkeitsmanagement verantwortlichen Geschäftsführer der Schwartauer Werke - einer Schwesterfirma von Hero MEA - Dr. Sebastian Portius in Bad Schwartau und den Bienenexperten Prof. Dr. Jürgen Tautz (HOneyBee Online Studies, kurz: HOBOS) in Würzburg getroffen. Prof. Tautz, der dem Ägypten-Projekt beiseite steht, äußerte sich dazu: „Ich freue mich sehr über die sich Schritt für Schritt einstellenden Erfolge in dem Bemühen um die ägyptische Honigbiene. Überzeugt von der Wichtigkeit des Rettungsversuches und den Fähigkeiten und Kenntnissen von Herrn Friedmann, freut sich das HOBOS-Team, dieser Nachhaltigkeitsinitiative der Hero-Gruppe auch seine fachliche Hilfe geben zu können.“

Vermehrung durch künstliche Begattung

Anfang Dezember war der Demeter-Imker Günter Friedmann für die Hero wieder in Ägypten, um den Zustand der letzten Lamarckii-Völker zu kontrollieren. Leider sind von den 760 Völkern im Sommer jetzt nur noch 500 Völker vorhanden. Um die Bienenrasse Apis mellifera lamarckii zu erhalten, müssen die Bienen stark vermehrt werden. Aber leider werden die Königinnen schlecht begattet. Die natürliche Begattung reicht nicht aus. Es deutet vieles darauf hin, dass die Lamarckii-Königinnen künstlich begattet werden müssen. Das wird spannend, denn: Es gibt keine Besamer in Ägypten. Wenn es zu der Begattung kommt, dürfen die Drohnen noch nicht geflogen sein. Königinnen und Drohnen müssten zur selben Zeit reif zur Paarung sein. Es ist nicht klar, ob die Königinnen sich überhaupt künstlich begatten lassen. Summa summarum – alles Neuland, das dann betreten werden würde.

Bienengesundheit wurde stark verbessert

Doch in der Obhut von Hero MEA geht es den letzten Lamarckii-Völkern schon viel besser als noch vor zwei Jahren, als sie aufgekauft wurden. Damals war der Zustand der Bienenvölker sehr bedenklich. Seitdem wurden die ehemals schwachen Völker stabilisiert: Sie wurden verteilt aufgestellt. Es wird überhaupt nicht mehr mit Zucker zugefüttert. Den verbleibenden Bienen geht es besser durch die Reduktion der Stress-Faktoren und die intensive Auslese. Denn Völker, die schwach und nicht überlebensfähig sind, liest die Natur von selbst aus. Ein erster Schritt ist also schon einmal geschafft. Jetzt geht es um die Vermehrung der letzten stabilen Völker der in Ägypten heimischen Bienenrasse Apis mellifera lamarckii. Doch das braucht Zeit – so wie in der Natur auch.

Kristina Vonend