Tüten und Quaken

Foto: Tüten und Quaken
Arbeiterinnen erwarten das Schlüpfen einer neuen Königin aus ihrer Weiselwiege. (Foto: © Helga R. Heilmann)

Tüten und Quaken bezeichnet eine auf Wabenvibration beruhende Kommunikation zwischen geschlüpften (Tüten) und ungeschlüpften (Quaken) Jung-Königinnen eines Volkes im Stock. So werden tödliche Zweikämpfe vermieden und eine koordinierte Volksteilung in der Schwarmzeit zu ermöglicht.


Hat die alte Königin mit 30 - 70 % der Arbeiterinnen in der Schwarmzeit den Stock als Vorschwarm verlassen, befinden sich im Restvolk  noch einige Jungköniginnen, die jedoch stecken noch für etwa eine Woche in ihren verdeckelten Weiselzellen stecken.  Erst dann wird die erste Jungkönigin schlüpfen.

Ist das Restvolk zu klein, um sich erneut zu teilen, so tötet sie alle weiteren, noch in den Zellen steckenden Jungköniginnen, indem sie sie durch die zuvor angebissenen Zellen absticht. Ist das Restvolk jedoch noch groß genug für eine erneute Teilung (oder durch neu geschlüpfte Arbeiterinnen zwischenzeitlich wieder etwas größer geworden), so müssen die verbliebenen Jungköniginnen vorerst noch gegenseitig geschützt werden. Dies kann zum einen durch die Arbeiterinnen (Fremdschutz\) und zum anderen durch die geschlüpften und ungeschüpften Jungköniginnen selbst (Selbstschutz\) erfolgen. Beim Fremdschutz bewahren die Arbeiterinnen die verschlossenen Zellen der Jungköniginnen vor der Tötungslust der neuen Königin, während sie gleichzeitig dieses neue Oberhaupt schütteln und nach außen drängen. Zusammen mit tausenden Bienen, die sie begleiten, bildet sie einen sogenannten Nachschwarm. Beim Selbstschutz kontrollieren sich die Jungköniginnen gewissermaßen gegenseitig, indem sie miteinander kommunizieren. Die Sprache einer freien Jungkönigin bezeichnet man dabei als Tüten, die der noch eingeschlossenen als Quaken.

Beide Sprachen basieren zwar auf den gleichen Mechanismen (hochfrequenten Vibrationen der Flugmuskulatur) haben zwar gleiche Entstehungsgeschichte, geben aber verschiedene Informationen wieder. Mit ihrem Tüten versucht eine geschlüpfte junge Königin, zwei verschiedene Botschaften an zwei verschiedene Empfänger zu richten. Den Arbeiterinnen will sie mitteilen, dass sie den anderen Königinnen zunächst keine weitere Hilfestellung beim Schlüpfen leisten sollen. Die Arbeiterinnen

fallen dadurch sogar kurz in eine Verhaltensstarre. Die Jungköniginnen in den Zellen möchte sie durch das Tüten auffordern, noch in den Zellen zu bleiben, weil sie schon geschlüpft ist. (Dies kann zusätzlich erreicht werden, indem ihr Duft durch den Futterschlitz in die Weiselzellen dringt.)

Das Tüten wird von den noch eingeschlossenen, vermeintlichen Rivalinnen durch das Quaken erwidert. Es kann eine Bestätigung bedeuten (Ok, ich schlüpfe noch nicht!). Dann warten sie jeweils, bis sich ein weiterer Nachschwarm abgesetzt hat. Sie können dadurch aber auch eine Auskunft erbitten (Ist da draußen noch eine aktuelle Jungkönigin?). Wenn dann kein Zurücktüten zu vernehmen ist, schlüpft eine von ihnen als nächste. Dieses Wechselspiel von Tüten und Quaken und Nachschwarmbildung wird sich so lange wiederholen, bis das Restvolk für eine weitere Teilung zu klein geworden ist. Sollte dann nur noch eine junge Königin übrig sein, so wird sie automatisch zum neuen Oberhaupt der restlichen Kolonie. Ansonsten erfolgen solange erbitterte Zweikämpfe, bis ein Tier als endgültige Königin überlebt.

Bienen können zwar nicht hören, wohl aber Vibrationen wahrnehmen. Diese werden sowohl beim Tüten als auch Quaken durch die Flugmuskulatur und dem damit verbundenen Flügelzittern erzeugt, sowie möglicherweise durch das Ausströmen von Atemluft aus den Stigmen untermalt. Durch Aufpressen des Körpers auf die Waben, werden die Impulse nicht nur als Luftschall, sondern auch als Wabenvibration übertragen und somit für die Bienen wahrnehmbar.

Tüten und Quaken können vom Menschen mühelos akustisch wahrgenommen werden, bitte rein hören in den Soundfile bei  http://www.hobos.de/de/lehrer-schueler/ueber-hobos/impressionen/audio/koenigin.html.