Kühlen durch Fächeln (Ventilieren)

Foto: Kühlen durch Fächeln (Ventilieren)
Wenn im Nest Umluft gebraucht wird, kommen Fächlerinnen zum Einsatz. Das ist z. B. dann der Fall, wenn Wasser für Kühlzwecke verdunsten, die Nestluft wegen zu hoher Kohlendioxidkonzentration ausgetauscht oder Honig eingedickt werden soll. (Foto: © Helga R. Heilmann)

Unterstützen einer Temperatursenkung im Stock durch Flügelschwirren, das von Arbeiterinnen im Stand ausgeführt wird und generell der Luftzirkulation dient.


Auch in Standardsituationen findet über das Flugloch ein regulärer Luftaustausch zwischen dem Stock und der Umgebung statt. Unter extremen Bedingungen reicht dieser jedoch nicht aus und muss durch die Bienen aktiv verstärkt werden. Dies ist immer der Fall, bei zu hoher Luftfeuchtigkeit im Stock aufgrund der großen Menge an eingebrachter Tracht, zu hohem Sauerstoffmangel bei großen Brutflächen und vor allem zu hoher Außentemperatur.
Dann nämlich fangen bestimmte Arbeiterinnen an zu fächeln und verstärken damit die Kühlwirkung der rüsselschlagenden Nestgenossinnen.
Diesen, im Stock produzierten Fächelstrom, registrieren Bienen, die vor dem Stockeingang sitzen. Das sind meist Sammlerinnen, die daraufhin auch zu fächeln beginnen. Dadurch wird der Luftstrom gleichmäßiger und wirkungsvoller. Sollte dies immer noch nicht den gewünschten Effekt erzielen, schließen sich mehr und mehr Bienen als "lebende Ventilatoren“ zusammen. Sie organisieren sich zu ganzen Ventilationsketten und potenzieren somit ihre Einzelleistungen.
Am Flugloch entstehen somit zwei entgegengesetzte Luftströmungen. Die eine ist von den Bienen aktiv erzeugt und bringt Luft, die zu alt, zu feucht, zu warm oder zu arm an Sauerstoff ist, aus dem Stock heraus. Die zweite bringt daneben ganz von alleine, also passiv, wieder Frischluft hinein.
Eine fächelnde Arbeiterin bewegt ihre Flügelspitzen in bestimmten Bahnen. Diese liegen annähernd auf der Transversalebene, aber etwas nach hinten geschwenkt.
An der Ausrichtung des Körpers beim Fächeln vor dem Flugloch lässt sich leicht die Westliche Honigbiene, Apis mellifera, von der Östlichen, Apis cerana, unterscheiden. Die Erstgenannte hat ihren Kopf zum Flugloch hin ausgerichtet, die zweite hingegen ihren Hinterleib.
Es gibt zwei Verhaltensweisen, die dem Fächeln generell ähnlich sind. So werden beim Sterzeln zwar die allergleichen Flügelbewegungen ausgeführt, jedoch ist dabei die Nasanovdrüse geöffnet. Die ausströmenden Pheromone werden auf diese Weise besser verteilt. Beim Fliegen liegt der Unterschied in der Flügelstellung und der Schlagfrequenz.
Das Kühlen durch Fächeln in Zahlen:
Die Flügelschlagfrequenz liegt bei durchschnittlich 120 Hz. Es können aber auch bis zu 150 Schläge pro Sekunde erreicht werden.
Das Volumen der ausgetauschten Luft pro Sekunde bemisst sich auf 0,4 bis 1,0 Liter.